Ich schreibe dieses Seelenfutter in „meinem“ kleinen, kuscheligen Fischerhäuschen in der Nähe von Tromsø während draußen ein Polarwirbelsturm tobt. Wenn du hier schon länger mitliest, denkst du dir jetzt vielleicht: „Tromsø? Da war Claudia doch schon mal,oder?“ Ja, war ich – zu Muckis erstem Todestag, und was ich damals hier gemacht habe, kannst du in „Ein Jahr ohne dich“ nachlesen. Ich habe mich damals in die wunderschöne norwegische Landschaft und in dieses kleine Häuschen am Meer verliebt. Aber das ist nicht der einzige Grund, warum ich hier bin. Als ich Mucki am 13. Jänner 2023 zu Hause helfen ließ, diese Erde zu verlassen, blieb er noch lange bei mir. Ich hielt ihn im Arm, strich ihm über das weiche Fell und schrieb ihm einen Brief. Ich wollte auch, dass er auf seine weitere Reise alles mitbekommt, was ihm wichtig war. So legte ich ihm seine Lieblingsdecke zurecht, eine Handvoll Leckerlis und ein kleines Stoffherz. Dann trug ich ihn noch einmal durch unseren Garten, dorthin, wo er so oft in der Sonne gelegen hatte. In diesem Moment, während ich Mucki so hielt, gab ich ihm ein Versprechen: „Ich werde glücklich sterben. Und nachdem ich nicht weiß, wann das sein wird, werde ich alles dafür tun, um jeden Tag sagen zu können: Heute war ich glücklich.“
Damals dachte ich, ich würde dieses Versprechen vor allem ihm geben. Ich wollte Mucki zeigen, dass ich all das, was er Zeit seines Lebens für mich getan hatte, für immer wertschätzen werde. Mit der Zeit habe ich verstanden: Es war auch ein Versprechen an mich selbst.
Du kannst dir sicher denken, dass mir das nicht sofort gelang…
Die ersten Wochen und warum Glück unmöglich scheint
Nach Muckis Tod fühlte sich alles anders an. Die Welt drehte sich weiter, aber für mich war sie nicht mehr dieselbe. Ich wollte glücklich sein. Ich hatte es ihm versprochen. Aber ich konnte es nicht.
Vielleicht kennst du das auch: Du willst wieder Freude empfinden, willst das Leben spüren, aber es fühlt sich an, als würde dich etwas so eng umklammert halten, dass du fast keine Luft bekommst. Die ersten Wochen sind dabei oft von einem Zustand zwischen Schock und Taubheit geprägt. Dann gibt es Tage, an denen wir funktionieren und Tage, an denen wir zusammenbrechen. Es ist ein Auf und Ab, ein Vor und Zurück. Und das ist normal.
Trauer ist keine gerade Linie. Sie folgt keinem festen Zeitplan. Und sie hält sich erstmal nicht an Versprechen. Aber das bedeutet nicht, dass wir gescheitert sind. Es bedeutet nur, dass wir Zeit brauchen, um wieder Glück empfinden zu können.
Die Erinnerung an mein Versprechen an Mucki und die Suche nach Glück
Irgendwann kam ein Moment, in dem ich mich wieder an mein Versprechen erinnerte. Nicht als plötzliche Erkenntnis, sondern leise, fast vorsichtig schob sich der Gedanke daran immer wieder in mein Bewusstsein und ich begann, darüber zu schreiben. Immer wieder stellte ich mir dabei die Frage:
„Wie kann ich Glück in einer Welt finden, in der Mucki nicht mehr bei mir ist?“
Nach und nach erkannte ich: Es geht nicht darum, einen riesigen, alles durchdringenden Glückszustand zu erreichen, den allerlei Gurus und Motivationscoaches täglich so durch die Weiten von Social Media brüllen.
Es geht um Momente. Um kleine Augenblicke, die mein Herz immer wieder höher schlagen lassen, die meine Augen zum Strahlen bringen und mich eine tiefe Lebendigkeit spüren lassen. Momente, die zu kostbaren Erinnerungen werden und mich dankbar auf mein Leben blicken lassen.
Du möchtest ein paar Beispiele? Gerne!
☀️ Heute morgen beim Aufwachen sehen, wie die Sonne das Meer glitzern lässt.
👩💻 Jetzt mit dem Laptop am Schoss dieses Seelenfutter zu schreiben, während draußen der Sturm ums Häuschen fegt, dass die Fenster vibrieren.
☕️ Das köstliche Schokobrötchen zum Kaffee.
✍️ Die Aussicht darauf, dass ich dann ein bisschen zeichnen und lesen werde.
📖 Der Moment, als ich gesehen habe, dass das Vetjournal der Österreichischen Tierärztekammer mein Buch „Weil jede Trauer Liebe ist“ allen Tierärzt*innen des Landes empfohlen hat, um ihre Klientinnen (also uns) gut in dieser schweren Zeit begleiten zu können.
🎂 Dass ich morgen, am 17. März, Geburtstag habe und mir in meinem Lieblingscafé „Bryggejentene“ mein neues Lebensjahr mit Stift und Papier in den schönsten Farben ausmalen werde.
🌸 Zu wissen, dass wenn ich wieder nach Österreich fliege, mich dort der Frühling begrüßen wird.
⛰️ Jene Momente, in denen ich auf dem Gipfel eines Berges stehe, mein Gesicht in die Sonne halte und mich so frei fühle.
Und mir fallen noch Tausende Dinge ein!
Denke bitte daran: was mich glücklich macht, ist dir vielleicht völlig egal. Es geht ausschließlich darum, DEINE eigene Vorstellung eines glücklichen Lebens (wieder) zu finden und dir zu erlauben, es zu leben!
Mit Pfotentrauer begleite ich dich gerne auf diesem Weg, auf der Suche nach deinem ganz eigenen Glück, auch wenn die Welt sich verändert hat. Denn Glück sieht für jeden anders aus. Und manchmal beginnt es mit einer einzigen kleinen Entscheidung: Ich lasse diesen Moment schön sein.
Ein wichtiger Schlüssel zum Glück: Dankbarkeit
Je mehr ich mich mit meiner Trauer auseinandersetzte, desto mehr wurde mir bewusst, dass mein Leben nicht nur aus dem bestand, was ich verloren hatte, sondern auch aus dem, was noch da war.
Dankbarkeit war dabei ein wichtiger Schlüssel: Jene für die gemeinsame Zeit mit Mucki und all die schönen Erinnerungen, die mir niemand jemals nehmen kann und jene, für die Momente, die das Leben mir jetzt schenkt.
Dankbarkeit verändert den Blick. Sie hilft uns, zu sehen, was uns geschenkt wird, was uns stärkt und was uns vielleicht für einen Moment leichter atmen lässt. Das müssen nicht immer die großen Dinge sein.
Oft genügt schon:
☕️ Die Wärme einer Tasse Kaffee an einem kalten Tag.
☺️ Ein vertrautes Lächeln.
🎶 Ein Lied, das unser Herz berührt.
🌧️ Der Duft von Regen auf warmem Asphalt.
♥️ Der Moment, in dem es an der Tür klingelt und eine Freundin vor der Tür steht.
Manchmal braucht es ein bewusstes Innehalten, um diese Dinge zu bemerken.
Genau das tun wir übrigens auch in den Online-Trauertreffen: Erst schauen wir uns den Schmerz an. Lassen ihn da sein. Und dann richten wir den Blick langsam auf das Schöne, das trotzdem noch da ist. Auf das, was uns hält und wofür wir trotz allem dankbar sein können. Das macht übrigens auch mich glücklich, wenn ich Die Menschen dabei unterstützen darf, ebenfalls wieder ihr Glück zu finden.
Glück als bewusste Entscheidung
Je länger ich mich mit meiner Trauer auseinandersetzte, desto mehr spürte ich wieder: Glück ist nicht nur ein Gefühl, es ist auch eine Entscheidung.
Die Glücksforschung zeigt, dass unser Glück zu 50 % genetisch bestimmt ist. Nur 10 % machen äußere Umstände aus, also Dinge wie unser Wohnort, unser Job, unser soziales Umfeld und das sogenannte „Schicksal“. Doch unglaubliche 40 % liegen in unserer eigenen Hand.
Die Macht der 40%
Diese 40 % sind das, was wir aktiv gestalten können. Nicht im Sinne von „positiv denken“, sondern im Sinne von Wahlfreiheit.
Ich habe für mich gemerkt, dass Reisen und mir mein Leben in Freiheit zu gestalten, ein großer Faktor für mein persönliches Glück ist. Und natürlich ist das nicht immer einfach – weder zeitlich noch finanziell. Aber immer dann, wenn es schwierig wird, erinnere ich mich an das Versprechen, das ich Mucki gegeben habe und somit auch mir selbst. Und dann fällt es mir auch leichter, bewusst zu entscheiden, zu wählen.
Ein Beispiel: Wenn Freundinnen mir erzählen, sie hätten sich gerade dies und jenes gekauft (von Handtaschen und Kleidung bis hin zu irgendwelchen Dekogegenständen) freue ich mich mit ihnen, verspüre aber null Verlangen, mir auch etwas zu kaufen. Ich entscheide mich bewusst dafür, das Geld, das ich hier nicht ausgebe, für meine nächste Reise auf die Seite zu legen.
Bei dir kann das ganz anders aussehen: vielleicht geben dir Reisen gar nichts, aber du empfindest ein Glücksgefühl, wenn du dir etwas kaufst, das dein Zuhause gemütlicher macht. Vielleicht machen dich Bücher glücklich oder ein gutes Essen. Glück ist immer individuell – und immer eine Entscheidung.
Glücklich zu leben, das bedeutet aber auch Arbeit. Und manchmal heißt das, mit einer lustvollen Disziplin daran zu arbeiten, dass das Leben so wird, wie wir es uns wünschen.
Zehn Jahre lang bin ich nicht gereist. Zehn Jahre lang war mein Zuhause mit Mucki genau der richtige Ort für mich. Aber andere Zeiten erschaffen andere Glücksvorstellungen, andere Voraussetzungen. Sie erschaffen neue Möglichkeiten.
Ein erster Schritt kann sein, sich selbst zu fragen: Wie möchte ich leben? Was bedeutet Glück für mich? Oder anders formuliert: Wenn ich meinem Seelentier verspreche, wieder glücklich zu sein, wie würde dieses „glücklich sein“ für mich aussehen?
Schreibimpuls: Dein ganz persönliches Versprechen
„Alles beginnt mit dem ersten Schritt.“ – ein ziemlich ausgelutschtes Zitat, aber dennoch wahr, also:
⏰ Nimm dir heute 30 Minuten Zeit (da ist sie schon, die lustvolle Disziplin)
🛋️ Mach es dir gemütlich
📝 Leg dir Stift und Papier bereit
😮💨 Atme drei Mal tief ein und aus, um im Moment anzukommen
👀 Schließe die Augen und verbinde dich in deinem Herzen mit deinem Liebling
Wenn du soweit bist, nimm dir ein Blatt Papier und schreibe darauf:
„Wie kann ich Glück in einer Welt finden, in der ich dich in meinem Herzen weitertrage?“
Lass deine Gedanken fließen. Schreibe alles auf, was dir in den Sinn kommt. Alles ist erlaubt, fange klein an oder träume gleich groß – ganz wie du magst!
Und dann formuliere für dein Seelentier und dich ein Versprechen. Das kann etwas Allgemeines sein, eine Haltung zum Leben oder etwas ganz Konkretes.
Zum Beispiel:
„Ich verspreche dir, dass ich die kleinen schönen Dinge wieder sehen lerne.“
oder eben:
„Ich verspreche dir, dass ich jetzt (setz dir ruhig selbst einen Termin, das schafft Verbindlichkeit!) die Reise / Ausbildung / den Jobwechsel… mache.“
Schreib dann dieses Versprechen auf eine kleine Karte und hänge sie dorthin, wo du sie möglichst oft siehst.
Sie soll dich daran erinnern: Die Liebe zu deinem Seelentier verbindet euch für immer und du darfst deinen Weg zu einem glücklichen Leben finden. In deinem eigenen Tempo, auf deine ganz persönliche Weise.
Alles Liebe 🫶
Claudia
PS.: Mein Versprechen an Mucki hing lange zu Hause am Spiegel, jetzt trage ich es immer bei mir.
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