Ende März 2023. Da liege ich also und ziehe mir die Bettdecke über den Kopf während der Frühling mit Sonne, Vogelgezwitscher und bunter Blütenpracht alles versucht, mich aus dem Bett zu locken: „Komm, es ist alles so schön, hell und leicht hier!“ Doch in mir ist alles tonnenschwer. Mit seinem Tod ein paar Wochen zuvor hat mein geliebter Kater Mucki all meine Leichtigkeit mitgenommen. Zugegeben: viel davon war nach monatelangem Kampf um sein Leben ohnehin nicht mehr über. Meine größte Leistung des Tages ist es, aufzustehen – ab da an funktioniere ich nur mehr auf Autopilot. Die Trauer hat mein Asthma und die Panikattacken reaktiviert, unter denen ich in meiner Jugend gelitten hatte. Mein Umfeld bekommt von meinem drohenden Absturz nichts mit. Dabei WEISS ich, dass ich das letzte Fünkchen Energie nicht ins Funktionieren für andere stecken soll, sondern um mir selbst wieder auf die Beine zu helfen. Meine innere Stewardess mahnt immer wieder ein: „Setzen Sie zuerst sich selbst die Sauerstoffmaske auf und helfen sie dann erst Ihren Mitreisenden.“ Und sie hat Recht. Denn das einzige, das in solchen Ausnahmesituationen hilft, ist: Kümmer dich um dich und komme vom bloßen Funktionieren wieder in eine bewusste und frei gewählte Aktivität. Kurz gesagt: Tu was für dich! Und wenn es noch so winzig ist. Dir deiner selbst, deiner Bedürfnisse und vor allem auch deiner Ressourcen bewusst zu werden, ist der wichtigste Schlüssel, um dich aus dem Schmerz zu befreien wenn dein geliebtes Tier stirbt. So schleppte ich mich eines Tages an meinen Schreibtisch und begann, meine Gefühle in eine Collage zu „übersetzen“ und zu schreiben. Ab da ging es aufwärts.
Trauern heißt, gegen die Schwerkraft zu kämpfen
Ich vermute, ich erzähle dir nichts Neues, wenn ich sage: Trauer ist schwer. Sie zieht einen zu Boden – emotional und körperlich. Die Gedanken: schwer. Die Gefühle und das Herz: schwer. Und auch der Körper ist schwer – hängender Kopf, hängende Schultern und schlurfender Gang sind nur drei Beispiele dafür. Am liebsten würde man sich einfach fallenlassen und alleine das nicht nicht zu tun, ist unglaublich anstrengend.
Jetzt denkst du dir vielleicht: „Eben! Und du sagst mir jetzt, dass ich etwas tun soll.“
Ja, das tue ich. Oder genauer: Ich sage dir, dass du etwas tun DARFST.
Viele Menschen glauben, dass die Trauer um ein geliebtes Tier einfach „ausgesessen“ werden kann, dass es reicht, zu warten, bis der Schmerz von selbst nachlässt. Doch genau hier liegt der größte Irrtum:
Der Schmerz vergeht nicht einfach mit der Zeit. Er verändert sich durch das, was wir tun.
Warum du etwas tun DARFST und warum Warten nicht hilft
In der Psychologie gibt es eine Erkenntnis, die sich immer wieder bestätigt und die auch ich in meiner Trauer erfahren habe: Passivität verstärkt Leidenszustände. Wer nur abwartet, fühlt sich oft hilfloser, trauriger und hoffnungsloser als jemand, der aktiv Schritte setzt, um sich mit seiner Trauer auseinanderzusetzen.
Vor allem die „Positive Psychologie“ hat das gut erforscht. Während sich die klassische Psychologie oft damit beschäftigt, was krank macht, fragt die „Positive Psychologie“:
Welche Ressourcen haben wir bereits, um mit der Trauer umzugehen?
Wie können wir unsere eigene Resilienz stärken, um nicht im Schmerz stecken zu bleiben?
Was hilft uns, trotz schwieriger Erfahrungen wieder Freude zu empfinden?
Der Weg der kleinen Schritte aus dem Schmerz um dein geliebtes Tier
Wie du aus meiner persönlichen Erfahrung vielleicht schon herausgelesen hast, ist der erste – und auch der schwerste – Schritt, überhaupt einmal „in Bewegung“ zu kommen. Ich verstehe gut, warum viele Menschen ihn scheuen und sich diesen ersten Schritt oft (noch) nicht zutrauen. Er fühlt sich oft an wie ein unüberwindbarer Berg. Doch es ist wie in der Physik: Am meisten Energie braucht es, um etwas aus dem Stillstand in Bewegung zu bringen. Danach wird es nicht mühelos, aber es beginnt leichter zu werden. Jeder kleine Schritt setzt etwas in Gang, löst ein Stück der inneren Starre, Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung.
Bewegung erzeugt Bewegung, auch im Inneren.
In Bewegung kommen bedeutet in diesem Sinn auch, sich selbst nicht aufzugeben. Jede noch so kleine Handlung ist ein erster Schritt aus der Erstarrung und somit auch aus dem Schmerz.
Handeln schafft Selbstwirksamkeit. Und dieses Selbstwirksamkeit vermag alles zu ändern. Es ist nicht wichtig, wie groß der Schritt ist. Wichtig ist nur, dass du ihn machst.
Am Anfang steht das Selbstmitgefühl
Wer sich erlaubt, Schmerz zu fühlen, ohne sich dafür zu verurteilen, fördert emotionale Resilienz. Studien zeigen, dass Selbstmitgefühl Stress reduziert und das Gefühl von innerem Halt stärkt.
Denk immer daran: Du bist wichtig. Deine Gefühle sind wichtig.
Den Körper in Bewegung bringen
Bewegung im körperlichen Sinn ist eine der besten Möglichkeiten, um auch aus der emotionalen Starre zu kommen. Ein einfacher Spaziergang, bewusstes Atmen an der frischen Luft oder sanftes Yoga aktivieren das Nervensystem, senken Stresshormone und bringen den Kreislauf wieder in Schwung. Es geht nicht um Leistung, sondern darum, dich selbst wieder zu spüren. Wer sich bewegt, verändert auch den inneren Zustand.
Die Macht der Dankbarkeit
Vielleicht verdrehst du jetzt die Augen und ich kann es verstehen. In der ersten Zeit ist es kaum möglich, Dankbarkeit zu verspüren – und das ist völlig okay. Doch nach ein paar Wochen ist es hilfreich, bewusst Dankbarkeit für die gemeinsame Zeit zu kultivieren. Das bedeutet nicht, den Verlust schönzureden. Doch wer sich bewusst auf das konzentriert, was einem in der gemeinsamen Zeit geschenkt wurde, stärkt jene Bereiche im Gehirn, die für Wohlgefühl, emotionale Verbindung und Sicherheit zuständig sind. Dankbarkeit beruhigt das Nervensystem und hilft, dass nicht nur der Schmerz Raum hat, sondern auch die Liebe. So entsteht ein Gegengewicht zur Schwere.
Erinnerungen an dein geliebtes Tier zu pflegen, hilft, den Schmerz zu lindern
Ebenso wirkungsvoll ist es, sich bewusst Zeit für Erinnerungen zu nehmen. Ich weiß, dass gerade zu Beginn Erinnerungen auch unglaublich schmerzhaft sein können. Sie führen einem nämlich vor Augen, was so nie wieder sein wird. Doch auch hier kommt es auf den Blickwinkel an. Fotos oder andere Erinnerungsstücke mit einem „für immer“ statt einem „nie wieder“ Gedanken zu betrachten, ist ein wichtiger erster Schritt. Umso wirkungsvoller ist es, wenn du dir regeläßig bewusst Zeit dafür nimmst. Das kann ein kleines Ritual sein oder du erschaffst dir einen besonderen Erinnerungsort.
Das Geschenk in alledem sehen
Vielleicht hat dieser Satz spontan bei dir jetzt jede Menge Widerstand ausgelöst. Das ist absolut verständlich und so ging es auch mir zu Beginn. Doch du darfst mir glauben, dass alles im Leben auf irgendeine Art auch etwas Gutes in sich trägt. Gerade wenn du noch tief im Schmerz gefangen bist, kannst du das noch nicht sehen und das ist völlig okay. Ich will jetzt auch nicht von dir, dass du etwas Bestimmtes tust oder dich auf die Suche nach diesem Geschenk oder Vermächtnis machst.
Ich möchte dir Mut machen, dir selbst die Erlaubnis zu geben, das Gute zu sehen. Es geht im Moment um nichts mehr als die Bereitschaft dafür.
Manche Menschen finden zum Beispiel Halt darin, ein Herzensprojekt, das mit dem geliebten Tier in Verbindung steht, ins Leben zu rufen. Ich bin so ein Mensch und Pfotentrauer ist das Geschenk, das ich in Muckis Tod erkannt habe. Andere merken, dass sie von ihrem eigenen Lebenswunschweg abgekommen sind und besinnen sich wieder darauf. Wieder andere geben die Liebe, die sie ihrem Seelentier geschenkt haben, nun weiter an jene Tiere im Tierheim, die oft nicht das Glück dieser Liebe erfahren durften. Und wieder andere, ach – diese Liste ließe sich lange fortsetzen.
„Sinn schafft Orientierung, selbst im Chaos.“
Orientierung ist generell eines der wichtigsten und zugleich schwierigsten Dinge im Chaos jeder Trauerreise. Und genau hier setzt auch das Schreiben an.
Schreiben als Weg zur Heilung und warum es wirkt
Schreiben ist nicht nur ein kreativer Ausdruck, es ist eine wissenschaftlich erwiesene Methode zur emotionalen Verarbeitung.
Studien zeigen, dass Menschen, die regelmäßig über ihre Gefühle schreiben:
☺️ weniger depressive Symptome entwickeln,
💭 schneller emotionale und gedankliche Klarheit gewinnen und
♾️ eine tiefere Verbindung zu sich selbst, ihren Erinnerungen und dem geliebten Tier aufbauen (gut, die Studien schreiben von Menschen, aber wir beide wissen: es macht keinen Unterschied, ob wir um einen geliebten Menschen oder ein geliebtes Tier trauern)
Das liegt daran, dass Schreiben:
💓 Gefühle ordnet: Anstatt dass deine Gedanken chaotisch im Kopf kreisen, bringst du sie in eine Form
📝 Unausgesprochenem Raum gibt: Du kannst schreibend Dinge sagen, die du sonst niemandem anvertrauen würdest
🤗 Dir selbst Verständnis schenkt: Durch das Schreiben erkennst du oft, was dich wirklich belastet und was dich zu unterstützen vermag
7 Tage für dich: „Schreib dich aus der Trauer“
Weil das Schreiben so heilsam ist, lade ich dich zu einer Woche des heilsamen Schreibens ein.
Start: 7. April 2025
Wo? Auf Instagram & in meiner Facebook-Gruppe Pfotentrauer 🐾
Was erwartet dich?
Jeden Tag bekommst du einen kleinen Schreibimpuls, der dir hilft, deine Trauer zu verarbeiten.
Zusätzlich gibt es zwei inspirierende Interviews mit Menschen, die durch das Schreiben wieder Kraft gefunden haben und du kannst auch etwas gewinnen:
💓 Einen Platz in meinem 8-wöchigen Online Trauerprogramm „Pfotentrauerreise“ im Wert von 249€
🐈⬛ Ein Exemplar des Buches „Herzenskater“ von Anke Globig
🐕 Ein Exemplar des Buches „Hunde-Himmel“ von Gabriela Burri von Seelenhund
Und da es nichts Wirksameres gibt, als gleicht etwas zu tun, habe ich auch heute gleich einen Schreibimpuls für dich.
„Auch eine Reise von 1.000 Meilen beginnt mit dem ersten Schritt.“
Lao Tse
Schreibimpuls: Die Kraft eines einzigen Wortes
Dein erster kleiner Schritt für heute: Finde dein Trauerwort im Schmerz um dein geliebtes Tier.
⏰ Schau, dass du 10 Minuten ungestört bist
🛋️ Mach es dir gemütlich
📝 Leg dir Stift und Papier bereit
😮💨 Schließe die Augen und atme drei Mal tief ein und aus, um im Moment anzukommen
♥️ Spüre in dich hinein und schau, was gerade da ist an Gefühlen und Gedanken. Greif dann zu Stift und Papier und beginne alles aufzuschreiben, was da ist. Sätze, Stichworte, Gefühle, Gedanken,…
Wenn du das Gefühl hast, dass das, was dich gerade besonders bewegt, am Papier steht, lies dir alles noch einmal durch. Unterstreiche dabei alles, was dich am meisten bewegt.
Schreib intuitiv ein einziges Wort auf, das deine Trauer am besten beschreibt.
Vielleicht ist es „Schmerz“, vielleicht „Dankbarkeit“, vielleicht „Leere“ – es gibt kein falsches Wort.
Spüre kurz nach, wie sich dieses Wort anfühlt.
Schließe die Übung nun mit einer hoffnungsvollen Variante deines Wortes ab
Gibt es eine sanftere Version dieses Wortes?
Gibt es ein Wort oder einen kurzen Satz, der dir Mut macht?
Wenn dein Wort z. B. „Leere“ war, könnte daraus „Raum für Erinnerungen“ werden.
Wenn dein Wort „Schmerz“ war, könnte daraus „Liebe, die Platz sucht“ werden.
Schreib die neuen Worte unter dein ursprüngliches Wort und spüre nach:
Wie fühlen sie sich an?
Schwingt ein bisschen Hoffnung mit? Klingen sie etwas sanfter?
Wichtig: zwinge dich nicht, das zu fühlen, aber schenke dir die Möglichkeit dazu.
Vom Schreiben ins Tun kommen
Tu in den nächsten 24 Stunden eine kleine Sache, die dein neuen Worte in dein Leben holt.
💡 Ein paar Ideen:
Wenn deine Worte „Raum für Erinnerung“ sind, schreibe zum Beispiel eine deiner liebsten Erinnerungen auf.
Wenn deine Worte „Liebe, die Platz sucht“ sind, schreibe deinem Tier eine Postkarte mit einer Liebeserklärung und schick sie an dich selbst.
Jeder noch so kleine Schritt ist ein Schritt, der dich dabei unterstützt, dein gebrochenes Herz zu heilen.
Alles Liebe 🫶
Claudia
PS.: Auch in meinem Buch „Weil jede Trauer Liebe ist“ findest du zahlreiche liebevolle Übungen und Impulsen.
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