Fünf Mythen über die Trauer um dein Tier und was wirklich hilft

Wenn dein Seelentier stirbt, bricht für dich eine Welt zusammen. Und mitten in der Trauer kommen dann diese Sätze, die so oft jenen Mythen geschuldet sind, die über die Trauer um ein geliebtes Tier in der Gesellschaft kursieren. Manche kommen von außen, andere flüstert die eigene Stimme im Kopf. Was stattdessen hilfreich ist …
Auf dem Bild sieht man eine schwarz-weiße Katze, die erstaunt blickt ob der fünf Mythen über die Trauer um dein Tier und was wirklich hilft

Wenn dein Seelentier stirbt, bricht für dich eine Welt zusammen. Und mitten in der Trauer kommen dann diese Sätze, die so oft jenen Mythen geschuldet sind, die über die Trauer um ein geliebtes Tier in der Gesellschaft kursieren. 

Manche kommen von außen, andere flüstert die eigene Stimme im Kopf.

Manche Dinge sagen Leute einfach so dahin. Sie klingen nach Trost, nach Erfahrung, nach Wahrheit. Aber oft sind sie das Gegenteil. Man meint es gut oder weiß es nicht besser. 

Und trotzdem: jedes Wort, das uns verletzt, bleibt lange in unserem Gedächtnis  hängen, beschäftigt und ja, blockiert unseren Geist. Das macht es noch schwerer, deine Trauer zu verarbeiten – besonders, wenn du gerade versuchst, dich im Chaos deiner Gefühle überhaupt zu orientieren.

Lass uns doch fünf der häufigsten Mythen anschauen und was sie in dir auslösen können, wenn du ihnen glaubst. Aber auch: Was ist stattdessen hilfreich für dich in der Trauer um dein geliebtes Tier.

 

Mythos 1: Zeit heilt alle Wunden

Ein Satz wie ein Pflaster. Leider eins, das nicht klebt. Zeit ist nicht das, was heilt. Sie verstreicht einfach nur. Das tut sie für Trauernde oft zu schnell, oft zu langsam oder beides zugleich. Ja, das geht. Sie erfüllt die Tage mit Stille und hat manchmal viele quälende Fragen im Gepäck.

Wenn du nichts tust, bleibt nur das: Zeit, die vergeht, ohne dass die Trauer leichter wird. Du kannst dein gebrochenes Herz leider nicht durch Warten heilen. Das gelingt nur, wenn du dich Schritt für Schritt deiner Trauer stellst und deine eigene Geschichte schreibst. Wenn du dem, was du fühlst, Raum gibst und dich traust, zu trauern – so wie du es brauchst. Mehr über diesen hartnäckigen Mythos über die Trauer um ein Tier und wie du ihm entkommen kannst, habe im Blogbeitrag „Die Lüge: Zeit heilt Wunden“  für dich aufgeschrieben. 

 

Mythos 2: Du musst loslassen

Ein Satz wie eine Tür, die man dir vor der Nase zuschlägt. Nur: du willst sie gar nicht schließen. Loslassen klingt oft wie „vergessen“ oder „zurücklassen“. Aber du willst nicht loslassen, du willst bewahren. Dein Tier war ein Teil deiner Familie, deines Lebens, deines Alltags. Warum also loslassen? Es geht beim Trauern weniger ums Loslassen, sondern vielmehr darum, die Verbindung neu zu gestalten. Was du loslassen darfst, ist der Schmerz. Dein geliebtes Tier bleibt hingegen für immer bei dir: in deinem Herzen, deinen Gedanken und ja, auch deinem Tun. Mucki lebt etwa nicht nur in meiner Seele weiter, sondern auch in Pfotentrauer: in der Community, dem Blog, unserem Buch „Weil jede Trauer Liebe ist“, in den Online-Trauertreffen (wo er immer wieder auch „vorbeischaut“) und in unserem Online-Trauerprogramm der „Pfotentrauerreise“. 

Hätte ich ihn „losgelassen“, so wie auch mir so oft gesagt wurde, würde es das alles nicht geben.

 

Mythos 3: Du musst einfach weitermachen

Als ob du gerade stehen geblieben wärst. Dabei bewegst du dich die ganze Zeit: durch Erinnerungen, durch Alltag, durch Tränen. Du funktionierst meist – oft mehr, als dir guttut. „Weitermachen“ klingt, als gäbe es einen Schalter: an oder aus. Aber Trauer ist kein Projekt. Es gibt keinen Meilenstein-„Check“, kein nächste „To Do“, keinen nächsten Level und keinen klaren Plan. (Wobei: das alles gibt´s bei vielen Projekten oft auch nicht – aber das ist ein anderes Thema.) Sie gleicht vielmehr einem Weg durch ein Labyrinth. Und du gehst ihn jeden einzelnen Tag. Du darfst dabei langsam sein und du darfst auch stehen bleiben, wenn’s gerade nicht anders geht. Und wie es in Labyrinthen nunmal so ist: oft führt der eingeschlagene Weg in eine Sackgasse und du musst nochmals umdrehen, ein paar Schritte zurückgehen und dich neu orientieren. Das alles ist normal und völlig in Ordnung. Ganz egal, was andere sagen. Was bei all den Mythen allerdings stimmt: tun musst du etwas, denn aussitzen lässt sich die Trauer um dein geliebtes Tier nicht.

 

Mythos 4: Die Trauer um ein Tier wiegt weniger als die um einen Menschen  

„Es war doch nur ein Tier.“ Dieser Satz tut weh. Weil er nicht nur deinen Verlust, sondern auch deine Liebe kleinmacht. Du weißt, was ihr an euch und durch euch alles hattet, wie viel Vertrauen, Nähe, echte Verbindung  und Liebe da war. Ein Tier ist kein „nur“. Es ist ein Teil deines Herzens, deines Alltags, deiner Familie. Wer das nicht versteht, darf gerne den Mund halten und hat kein Recht deine Trauer zu bewerten. Sie gehört dir und sie wiegt genau so viel wie jede andere Trauer. Sie darf da sein, mit allem, was sie mitbringt.

 

Mythos 5: Du musst stark sein und darfst nicht weinen

Klingt nach Zähne zusammenbeißen. Nach Durchhalten. Nach Funktionieren. In Wahrheit meinen die meisten damit auch: „Reiß dich zusammen.“ Aber echte Stärke sieht oft ganz anders aus. Stärke ist, wenn du weinst, obwohl du gelernt hast, Tränen zu verstecken. Wenn du dich verletzlich zeigst, Hilfe annimmst und zu deiner Trauer stehst. Den Schmerz NICHT wegdrückst, sondern ihm Raum und Aufmerksamkeit schenkst. 

 

Doch was hilft abseits dieser Mythen nun wirklich in der Trauer um dein geliebtes Tier? 

Trauer reißt einem den Boden weg. Alles, was vorher Sinn gemacht hat, fühlt sich plötzlich fremd an. Du willst zurück in einen Zustand, in dem du dich wieder sicher fühlst. Oder wenigstens: etwas mehr du selbst.

Was hilft? Nicht ein von 0 auf 100, nicht das große Umkrempeln. Nicht das „Jetzt muss sofort alles anders werden“, sondern kleine, liebevolle Schritte, die dir zeigen: „Ich kann etwas tun.“ Damit brichst du die Spirale der Hilflosigkeit. Und genau da beginnt Selbstwirksamkeit.

 

Als Einladung – nicht als To Do – möchte ich dir fünf Dinge, vorschlagen, die du tun kannst.

 

Gestalte dein persönliches Ritual

Nicht, was andere machen würden zählt, sondern das, was dir etwas bedeutet. Vielleicht ist es einfach, am Abend eine Kerze anzuzünden und deinem Tier von deinem Tag zu erzählen. Oder nimm dir jeden Sonntagmorgen bewusst Zeit, eine Erinnerung an deinen Liebling aufzuschreiben. Vielleicht hilft es dir, jede Woche eure Lieblingsrunde zu gehen und dabei immer einen Stein als Symbol für eure Liebe an eine bestimmte Stelle zu legen und so ein mit der Zeit ein wachsendes Denkmal eurer Verbundenheit zu schaffen. Oder, oder, oder! Was zählt ist, dass es für dich gut passt und, dass du es regelmäßig machst.  

 

Warum? Weil solche Rituale deiner Liebe und deiner Trauer eine Form geben. Und sie schenken dir nach und nach das Gefühl: Ich gestalte. Ich verbinde mich mit meinem Liebling. Ich verarbeite.

 

Rede mit Menschen, bei denen du nicht rechtfertigen und erklären  musst

Suche jemanden, bei dem du nicht das Gefühl hast, dich rechtfertigen zu müssen. Vielleicht ist es eine Freundin, ein*e Trauerbegleiter*in, jemand aus der Pfotentrauer-Community. Sag: „Ich brauch kein Feedback. Nur ein Ohr.“ 

 

Wenn du dich mitteilst – ganz ohne jene Maske, die du so oft tragen musst, spürst du: Ich bin nicht allein. Und das verändert mehr, als du denkst.

 

Genau dafür sind übrigens auch die Pfotentrauer Online Trauertreffen da. 

 

Geh raus, auch wenn du nur einmal um den Block läufst

Natur erdet. Licht wirkt positiv auf Körper, Geist und Seele. Bewegung bringt dich in den Moment. Vielleicht spürst du den Wind, hörst Vögel oder atmest einfach ein bisschen tiefer. Du musst nichts „leisten“. Nur gehen. Schritt für Schritt. Jeder Schritt ist ein kleines Nein zur Ohnmacht und es ist erwiesen: wenn wir uns im Außen bewegen, kommt auch innerliche etwas in Bewegung.

 

Also, wenn du das Gefühl hast, wieder einmal so richtig in deiner Trauer festzustecken: bewege dich – am besten an der frischen Luft!

 

Tu täglich eine kleine Sache, die dir gut tut 

Nicht, weil du musst. Sondern, weil du darfst. Mach dir einen Kaffee in deiner Lieblingstasse. Leg Musik auf, die du magst, schau deinen Lieblingsfilm, gönne dir eine kleine Yoga-Einheit, eine warme Badewanne,  hüpf in den See,… 

Ganz gleich, was es ist: Hauptsache es schenkt dir eine kleine Auszeit von deiner Trauer. 

 

Solche Momente sind liebevolle Selbstfürsorge. Sie geben dir Halt, wenn alles zu wanken scheint.

 

Erschaffe etwas, auch wenn es ganz klein ist

Trauer wirkt oft unüberwindbar groß und du selbst dich vielleicht klein, hilflos und verloren. Und auch wenn du das gerade so empfindest, du bist es nicht. Oft hilft schon eine Winzigkeit, um dir in all der Überforderung das Gefühl zu geben: Ich kann etwas tun. Pflanze einen Samen und kümmere dich um ihn. Male ein Bild, sortiere eine Schublade, repariere dein Rad, schreib eine Geschichte. Schaffe etwas, das vorher nicht da war. 

 

Es erinnert dich daran: Du bist nicht nur im Schmerz. Du bist auch im Leben. Und das Leben darf dich wieder spüren.


Und wenn du dir jetzt schulterzuckend denkst: Ich habe keine Ahnung, was diese kleine Sache heute sein könnte, hat folgender kurzer Schreibimpuls vielleicht die Lösung für dich.

 

Schreibimpuls: Ein zarter Anfang

⏰ Nimm dir 15 Minuten Zeit und schau, dass du ungestört bist

🛋️ Mach es dir gemütlich 

📝 Leg dir Stift und Papier bereit

😮‍💨 Atme drei Mal kurz ein und aus, um im Moment anzukommen

🐾 Verbinde dich in Gedanken mit deinem Liebling 

Stell dir dann vor, dein geliebtes Tier könnte dir für genau eine kleine Handlung in deinem Alltag heute Mut machen. Etwas, das dich stärkt, dir gut tut oder einfach nur ein kleines Lächeln schenkt. Was würde es dir vorschlagen? Und wie würde es dich dabei anschauen oder begleiten? 

Schreib diese Handlung auf und tu sie in den nächsten 24 Stunden – am besten du trägst sie dir gleich in den Kalender ein.

 

Alles Liebe 🫶

Claudia 

Als ausgebildeter „Deep Journaling Instructor“ beschäftige ich mich seit Jahren mit der heilsamen Kraft des Schreibens. Wenn ich in einer schwierigen Lage bin, greife ich zu Stift und Papier und bin immer wieder begeistert, was sich durch Schreiben alles lösen lässt. Im Jänner 2023 musst ich nach über 16 Jahren meinen Seelenkater Mucki gehen lassen. Da habe ich beschlossen, aus meiner persönlichen Erfahrung des Trauerns und der heilsamen Kraft des Schreibens ein Programm zu entwickeln. Damit möchte ich Menschen in dieser Ausnahmesituation helfen, ihre Trauerreise so einzigartig und persönlich zu gestalten, wie das Leben mit ihrem Seelentier war.

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