Die Lüge „Zeit heilt Wunden“: Wie aktive Trauerarbeit dir nach dem Tod von deinem Tier hilft

„Du arbeitest an deiner Trauer?“ zog meine Freundin erstaunt die Augenbrauen hoch. „Ja, natürlich. Warum überrascht dich das?“„Naja, das wird doch schon wieder…“ „Also ganz ehrlich: Zeit alleine heilt keine Wunden. Es wird auch nicht von selber wieder gut. Es braucht Trauerarbeit für die Seele und ja, auch für den Körper, all die vielen Gefühle …
Auf dem Bild sieht man einen Hund in schwarz-weiß. Er verdeutlicht das Thema, dass Zeit keine Wunden heilt, sonder es Trauerarbeit nach dem Tod von einem geliebten Tier braucht.

„Du siehst so erschöpft aus, was ist los?“ fragte mich im April 2023 eine Freundin. „Ich bin es auch. In Wahrheit bin ich im totalen Erschöpfungszustand. Ich habe das Gefühl, ich arbeite rund um die Uhr. Ich arbeite im Beruf, ich arbeite in der Familie und wann es geht, arbeite ich an meiner Trauer.“ „Du arbeitest an deiner Trauer?“ zog sie erstaunt die Augenbrauen hoch. „Ja, natürlich. Warum überrascht dich das?“„Naja, das wird doch schon wieder…“ „Also ganz ehrlich: Zeit alleine heilt keine Wunden. Es wird auch nicht von selber wieder gut. Es braucht Trauerarbeit für die Seele und ja, auch für den Körper, all die vielen Gefühle rund um den Tod von einem geliebten Tier brauchen Aufmerksamkeit. Die Gedanken wollen in die richtigen Bahnen gelenkt werden und ich muss mir ein neues Leben ohne Mucki gestalten.“

Ich bin mir bis heute nicht ganz sicher, ob verstanden hat, was ich meinte und vermutlich kennst du Gespräche wie diese auch. Darum möchte ich dich heute darin bestärken, zu deiner Trauer um dein Tier mit all ihren Gefühlen zu stehen und dir bewusst die Zeit und den Raum zu nehmen, sie zu verarbeiten. 

 

Trauer ist eine der intensivsten und schwierigsten menschlichen Erfahrungen. Sie kann unser Leben völlig aus der Bahn werfen, uns in eine tiefe Dunkelheit stürzen und unser Herz schwer belasten. Doch viele Menschen versuchen, ihrer Trauer zu unterdrücken oder sie „auszusitzen“.

 

Was passiert, wenn man Trauer verdrängt?

Bewusste oder unbewusste Verdrängung ist eine der häufigsten Reaktionen auf Trauer. Es ist verständlich, denn der Schmerz kann so überwältigend sein, dass man ihn am liebsten einfach wegschieben möchte. Doch Verdrängung ist eine Illusion. Der Schmerz mag für eine Weile verblassen, aber er kehrt zurück, oft stärker und größer als zuvor. Wenn man die Trauer verdrängt, gibt man ihr nicht den Raum, den sie braucht, um sich zu transformieren. Sie bleibt wie eine Wunde, die nie wirklich heilt.

 

Die Folgen von Verdrängung können sich auch körperlich äußern: Schlaflosigkeit, Verspannungen, chronische Müdigkeit oder sogar ernsthafte Krankheiten. Die Seele und der Körper sind eng miteinander verbunden, und wenn wir die Trauer nicht verarbeiten, leidet unser gesamtes Wesen.

 

Aktionismus ist keine echte Trauerverarbeitung

Viele Menschen verfallen – vor allem wenn sie ihren Schmerz „schnell“ loswerden möchten – in eine Art Aktionismus. Dieser kann viele Gesichter haben und zeigt sich in unterschiedlichsten Lebens sowie in (vermeintlich) gesunden und ungesunden Verhaltensweisen. Ich hatte zu Beginn versucht, meiner Trauer im wahrsten Sinne des Wortes davonzulaufen. Ja, ich bin deutlich fitter geworden, meine Trauer konnte ich damit alleine aber nicht verarbeiten. Andere stürzen sich in ihre Arbeit und wieder andere versuchen es mit einem Tattoo. Nichts gegen ein Tattoo an sich – es ist ein schönes Zeichen der Verbundenheit – aber wenn man versucht, der Trauer quasi „im Außen“ beizukommen, ohne sich ihr wirklich zu stellen, wird sie nicht verschwinden. 

Sie mag eine Weile im Hintergrund bleiben, aber sie wird immer wieder auftauchen. Das kann in unerwarteten Momenten geschehen – durch Wutanfälle, körperliche Symptome oder emotionale Erschöpfung. Unverarbeitete Trauer begleitet einen wie ein Schatten – und der lässt sich nunmal nicht vertreiben.

 

Die wahre Arbeit an und mit der Trauer beginnt im Inneren. Und diese Arbeit erfordert Mut und viel Geduld.

 

Wenn man mittendrin aufhört – stecken bleiben im Schmerz

Trauer ist eine Reise, und zwar eine, die viel Zeit erfordert. Viele Menschen beginnen den Weg der Trauerverarbeitung. Doch irgendwann scheint entweder der Schmerz zu groß, die Dunkelheit zu überwältigend oder sie werten bereits eine kleine Erleichterung als Heilung des gebrochenen Herzens. So hören sie auf, sich ihrer Trauer zu stellen. 

 

Doch wenn man in der Mitte dieser Reise aufgibt, bleibt man in einem emotionalen Zwischenraum stecken. Man hat den Schmerz gespürt, aber nie wirklich losgelassen. Man bleibt gefangen zwischen dem, was war, und dem, was sein könnte.

 

Mittendrin aufzuhören bedeutet, sich selbst den inneren Frieden und das Glück zu verweigern, die am Ende des Trauerprozesses stehen. Es bedeutet, sich immer wieder denselben Gefühlen wie etwa Schmerz, Schuld und bohrendem Vermissen zu stellen, ohne die Chance auf echte Verarbeitung und Befreiung von diesen Gefühlen. 

 

Und wie bei einer langen, mühseligen Wanderung, hilft es auch beim Trauern, wenn man den Weg nicht alleine gehen muss. In den wöchentlichen Online Trauertreffen und dem 8-wöchigen Online Trauerprogramm der „Pfotentrauerreise“ kannst du die Kraft der Gruppe und meine persönliche Unterstützung nutzen, um wirklich aus deiner Trauer herauszufinden.

 

Das Geschenk, wenn man der Trauer Aufmerksamkeit gibt

Ja, der Weg der Trauerverarbeitung ist oft schwer und schmerzhaft – alles andere wäre gelogen. Und er ist auch voller Geschenke. Wenn man der Trauer die Aufmerksamkeit gibt, die sie verdient, beginnt sie sich zu verändern. Sie wird leichter, weniger überwältigend. Mit der Zeit wird sie zu einer Quelle des Trostes und der Dankbarkeit für die Zeit, die dir mit deinem Liebling geschenkt wurde. 

 

Die Trauer erinnert uns daran, wie tief wir lieben können und geliebt wurden, und in dieser Liebe liegt eine Kraft, die du nutzen kannst, um dein gebrochenes Herz zu heilen.

 

Trauer kann uns auch tiefe Einsichten über uns selbst schenken. Wenn wir uns der Trauer stellen, lernen wir, wer wir wirklich sind, was wir wirklich brauchen und wie stark wir tatsächlich sind.

 

Der Lohn echter Trauerarbeit nach dem Tod von deinem Tier: Frieden, Liebe, Leben

Es gibt keinen „richtigen“ Weg zu trauern, und jeder Mensch hat sein eigenes Tempo. Doch wenn man sich entschließt, den Weg der Trauer Schritt für Schritt wirklich zu gehen, wartet am Ende ein tiefes Gefühl der Befreiung und eine Verbundenheit zu seinem geliebten Tier, die stärker ist als der Tod. Das leichte Ziehen im Herzen mag nicht völlig verschwinden, aber der tiefe Schmerz verliert seine Macht. Die Wunde heilt, und an ihrer Stelle entsteht ein neuer Raum: für inneren Frieden, für Freude, für Veränderung, für Dankbarkeit, für Glück – ja, für das Leben.

Trauer ist nicht die Endstation, sondern ein Übergang. Und der Lohn für diese harte Arbeit ist die Rückkehr zu sich selbst. Man wird nie mehr dieselbe Person sein, aber man wird eine Person sein, die gelernt hat, mit dem Verlust zu leben und dennoch wieder Freude, Leichtigkeit und Lust am Leben zu finden.

 

Warum ich das so voller Überzeugung schreibe? Weil ich es selbst erlebt habe. Darum steht am Ende meines Buch „Weil jede Trauer Liebe ist“ auch: 

 

„Ich schreibe diese Zeilen an einem heißen Augusttag. Draußen tobt das Leben und feiert sich der Sommer. In meinem Arbeitszimmer ist es still und ich kann meinen Herzschlag hören. Jenen Herzschlag, der nicht mehr schmerzt, sondern voller Liebe und Dankbarkeit ist – für Mucki, unsere gemeinsame Geschichte und sein Vermächtnis.“ 

 

Das Glück liegt in deiner Hand

Viele Menschen suchen das Glück im Außen, doch das Glück liegt in der Bereitschaft, sich der eigenen Trauer zu stellen und sie zu durchleben. Glück entsteht, wenn wir den Mut haben, uns selbst in unserem Schmerz zu begegnen und uns mit der Zeit wieder für das Leben zu öffnen.

Trauern ist Arbeit und ja, es ist richtig harte Arbeit. Aber es ist auch der Weg zurück zu einem erfüllten Leben, einem Leben, in dem das leise Ziehen im Herzen seinen Platz hat, aber der Schmerz nicht mehr alles bestimmt.

 

Schreibimpuls: Was meine Trauer sich von mir wünscht

Um zu beginnen, deine Trauer wirklich zu verarbeiten, hilft es, mit ihr ehrlich in Kontakt zu treten, einen inneren Dialog mit ihr zu führen. 

⏰ Nimm dir 30 Minuten Zeit

🛋️ Mach es dir bequem und schau, dass du ungestört bist

😮‍💨 Schließe die Augen und atme drei Mal tief ein und aus, um im Moment anzukommen. 

📝 Greif dann zu Stift und Papier und frage deine Trauer: „Was möchtest du mir sagen und was brauchst du von mir?“ 

Lass nun deine Trauer antworten. Schreibe ohne groß nachzudenken, ohne irgendetwas zu bewerten oder analysieren zu wollen. Lass die Worte einfach aufs Papier fließen.

Auch wenn es im ersten Moment eigenartig klingt, so hilft dir der Perspektivenwechsel, die Emotionen, die du vielleicht tief in dir vergraben hast, an die Oberfläche zu holen.

Wenn du fertig bist, lies dir den Text durch, als ob er von einer geliebten Person geschrieben worden wäre. Was will dir diese Person mit ihren Zeilen ans Herz legen? 

🍀 Wähle dann eine kleine Sache von dem aus, was deine Trauer sich von dir wünscht und mache in den nächsten 24 Stunden den ersten kleinen Schritt. 

 

Trauer ist nicht das Ende, sondern der Anfang einer neuen Beziehung zu dir selbst und dem Leben.

 

Alles Liebe 🫶

Claudia 

Als ausgebildeter „Deep Journaling Instructor“ beschäftige ich mich seit Jahren mit der heilsamen Kraft des Schreibens. Wenn ich in einer schwierigen Lage bin, greife ich zu Stift und Papier und bin immer wieder begeistert, was sich durch Schreiben alles lösen lässt. Im Jänner 2023 musst ich nach über 16 Jahren meinen Seelenkater Mucki gehen lassen. Da habe ich beschlossen, aus meiner persönlichen Erfahrung des Trauerns und der heilsamen Kraft des Schreibens ein Programm zu entwickeln. Damit möchte ich Menschen in dieser Ausnahmesituation helfen, ihre Trauerreise so einzigartig und persönlich zu gestalten, wie das Leben mit ihrem Seelentier war.

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